Pasta asciutta da tomaso

Scharfe Pasta asciutta da tomasso

Scharfe Pasta asciutta da tomaso

Ich hatte Appetit auf etwas Scharfes. Aber etwas richtig Scharfes. Von dem man einen Esslöffel isst und dann zwei Minuten durchatmen muss. Und währenddessen die Augen vor Schärfe triefen und die Nase läuft. Und das den ganzen Magen, den Darm und die Blase durchpustet und alle krankheitserregenden Mikroben, Bazillen, Bakterien und Keime gnadenlos wegbrennt, verbrutzelt und aus dem Körper befördert. Also am besten geeignet, wenn man eine leichte Magenverstimmung hat, denn nach solch einem Essen geht es einem wieder gut.

Aus diesem Grund öffnete ich – nein, nicht Büchse der Pandora – die Chili-Aluminium-Box auf meinem Gewürzregal, in der ich meine getrockneten Chilischoten aufbewahre, und entnahm für das Gericht eine ganze, getrocknete Bih-Jolokia-Schote, die schärfste Chilischote der Welt. Wenn man ein mit solch einer Chilischote zubereitetes Gericht einmal gegessen hat, fällt einem nichts weiteres dazu mehr ein.

Schon Liselotte Pulver wusste, dass es bei scharfem Essen immer zwei Mal brennt:

„Richtiges Gulasch [Chili] muß brennen, wie die Hölle. –
Zweimal. Wann geht hinein in Körper, und wann geht wieder hinaus.“
(Liselotte Pulver in „Ich denke oft an Piroschka“, 1955)

Chili brennt also nicht nur beim Essen, sondern auch – am darauffolgenden Tag bei der Ausscheidung. Und zwar heftig. Chili weitet seine desinfizierende Wirkung auf den ganzen Magen, Darm und die Blase aus und tötet dort sehr viele schädliche Keime und Bakterien ab. Und der Chili-Wirkstoff Capsaicin geht tatsächlich auch in den Urin über. Man kann also am kommenden Morgen „Rasierklingen pinkeln“ – das Urinieren brennt sehr stark. Man kann sich dann aber zumindest sicher sein, in der darauffolgenden Zeit nicht an einer Blasenentzündung zu erkranken. Und über das Prozedere beim Kacken will ich mich hier gar nicht erst auslassen – es brennt eben.

Aber der Genuss von Chili ist gesund. Nicht ohne Grund ersetzt er in ärmeren Ländern wie Indien oder anderen asiatischen Ländern Hygienemaßnahmen, wie sie für uns Westeuropäer selbstverständlich erscheinen, dort aber nicht vorhanden sind. Natürlich muss man es mit den Chilischoten auch nicht übertreiben und schon gar nicht zu den schärfsten Sorten wie Habanero oder Bih Jolokia greifen – nur wenn man es mag. Es tun aber auch schon einfache rote oder grüne thailändische Chilischoten ihre Wirkung.

Man sollte jedoch folgendes auf alle Fälle immer beherzigen: Nach dem Zuschneiden von oder der Zubereitung mit Chilischoten immer sofort die Hände waschen. Niemals mit ungewaschenen Händen an den Mund, die Nase, die Augen, an andere Schleimhäute oder auch die Geschlechtsteile fassen. Das darauffolgende Brennen an diesen Körperstellen wird man selbst nach nachträglichem Waschen für die nächsten 30 Minuten nicht los.

Das Motto dieses traditionellen Pastarezepts, aber „da tomaso“ zubereitet, lautet also: „Es MUSS brennen!“ „Nur die Harten kommen in den Garten, die Weichen unter die Eichen!“ Und dies ist schon gar kein Rezept für Muttern.

Zutaten (für 2 Personen:)

  • 350 g gemischtes Hackfleisch (Rind/Schwein)
  • 3 Zwiebeln
  • 5 Knoblauchzehen
  • 150 ml Rotwein
  • 2 EL Aceto Balsamico di Modena
  • 300 ml Gemüsefond
  • 500 g Tomaten (aus der Dose)
  • 1 EL Tomatenmark
  • 1 Bih-Jolokia-Schote
  • 3 rote, thailändische Chilischoten
  • 1 Zweig frischer Rosmarin
  • 6 Blätter frischer Salbei
  • viel frischer Thymian
  • viel frischer Majoran
  • 3 Lorbeerblätter
  • Paprikapulver
  • Salz
  • Pfeffer
  • Butter
  • 300 g Spaghetti

Zubereitungszeit: 2 ½ Stdn.

Zwiebeln und Knoblauchzehen schälen und kleinschneiden. Zusammen mit dem Hackfleisch in einem großen Topf mit erhitzter Butter für mehrere Minuten anbraten und Flüssigkeit ziehen lassen. Mit Paprikapulver, Salz und Pfeffer großzügig würzen.

Mit dem Rotwein ablöschen und einreduzieren lassen, bis fast keine Flüssigkeit mehr vorhanden ist. Dann den Balsamicoessig hinzugeben und ebenfalls einreduzieren lassen. Schließlich den Gemüsefond hinzugeben. Die Tomaten aus der Dose mit einem Pürierstab kleinpürieren und hinzugeben, ebenso das Tomatenmark. Eventuell etwas Wasser hinzugeben, um mehr Flüssigkeit zu haben. Dann die Bih-Jolokia-Schote und die Chilischoten im Ganzen hinzugeben. Die frischen Kräuter und die Lorbeerblätter in ein Kräutersäckchen packen und ebenfalls in die Sauce geben. Alles bei geringer Temperatur zugedeckt etwa 2 Stunden köcheln lassen. Danach abschmecken.

20 Minuten vor Ende der Garzeit die Spaghetti zubereiten.

Die Spaghetti in zwei tiefen Nudeltellern anrichten, von der Sauce Bolognese darüber geben und mit frisch gehobeltem Parmesan garnieren.

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14 Kommentare für „Pasta asciutta da tomaso

  1. Thomas Schäfer
    14. Juni 2013 at 12:11

    an anderer stelle erwähntest du kürzlich den begriff ” bäh-fraktion ” und ich widersprach dir, dass es diese nicht gäbe….

    ich habe mich getäuscht ! hiermit habe ich diese fraktion gegründet…gleich nachdem ich diesen blogbeitrag las….sorry…es ist dein blog, aber wenn ich einen foodblog betreibe und ich mich, bevor es um die zubereitung eines gerichtes geht, ihaarklein über dessen ausscheidung auslasse, muss ich mich über ” bähs ” nicht wundern.

    finde den beitrag sehr seltsam….

    • admin
      14. Juni 2013 at 22:01

      Moin, Thomas,

      „Finde den Beitrag sehr seltsam …“

      Du hast sicher noch nicht mit Bih-Jolokia-Schoten gekocht. Es sind die schärfsten Chilischoten der Welt. Man könnte einfach sagen, sie brennen Dir den Mund weg.

      Auf der Verpackung steht „Bei Verarbeitung Schutzhandschuhe und Schutzbrille tragen!“ Irgendwo gibt es auch noch den Hinweis, dass solche Speisen mit Bih-Jolokia-Schoten nicht für alte Menschen, Kinder oder Personen mit Kreislaufproblemen gedacht sind.

      Aus diesem Grund erscheint es mir notwendig, Interessierte, die eine solche Speise zubereiten wollen, darauf hinzuweisen, dass a) nach dem Zubereiten nicht an irgendwelche Schleimhäute gefasst wird und b) das Ganze zweimal brennt, beim Essen und am nächsten Tag beim Ausscheiden. Damit keine Irrtümer entstehen, man habe sich eine Blasenentzündung, einen Darminfekt oder eine sonstige schlimme Erkrankung zugezogen.

      • Thomas Schäfer
        15. Juni 2013 at 00:36

        Was ich befremdlich finde, sind gewisse ausdrucksweisen die ich auch nicht wiederholen möchte……aber man kann sich seine blogs ja aussuchen, die man liest. Vielleicht findest du ja auf deine art ein publikum…ich orientiere mich dann anderweitig. Meine Ritik ist nicht persönlich gemeint, sondern rein inhaltlich. In diesem Sinne, nix für ungut.

  2. 15. Juni 2013 at 19:28

    An dieser Stelle möchte ich mich erdreisten, der hervorragenden Lilo Pulver zu widersprechen und dabei helfen, die angemahnte Grundtendenz des Artikels in den Kommentaren noch weiter zu vertiefen. Ein gutes Chili muss nämlich dreimal brennen! Neben den schon erwähnten zweien kommt als drittes “in den Augen des Sielarbeiters” hinzu.

    • 15. Juni 2013 at 20:43

      Moin, Dirk, das geht aber schon wieder in Richtung „Finde den Beitrag sehr seltsam …“. Aber ohne Scherz, wir haben unter Kollegen schon solche Scherze gemacht, wenn mehr Chili gegessen würde, würde der brennende Inhaltsstoff der Chilis, Capsaicin, auch die Siele und die Abwasserbecker der Kläranlagen durchpusten und die Keime verbraten und die Arbeiter hätten weniger zu tun! ;–)

  3. 16. Juni 2013 at 02:46

    Die Rezepte sind ungenau (teilweise gänzlich ohne Mengenangaben oder gerne auch einmal “viel” Majoran oder ähnliches), Produkte ungenau definiert (Paprikapulver- gibt es glaube ich in mehr als nur einer Sorte), Zeitangaben werden unvollständig gemacht (mehrere Minuten), fachliche Fehlgriffe wie bei dem Braten mit Butter auch wieder für mehrere Minuten lassen nur Erahnen, dass man es hier mit einem Ahnungslosen zu tun hat. Wofür brauche ich eigentlich hier Pfeffer, wenn ich das schärfste Chili der Welt habe? Ergibt irgendwie keinen Sinn. Dann diese aufdringliche Fäkalsprache, passt aber zu dem Rest, den man hier liest. Wirkt alles wie aus einem Guss. Keine Ahnung, was Du hier eigentlich wem beibringen willst, Kochen ist wohl aber eher weniger Dein Ding. Leider ist das Internet immer noch groß genug für Deine hier bereitgestellten sogenannten “Rezepte”, ansonsten würde ich mich freuen, würde sowas zensiert werden. KEIN Mensch braucht so etwas.

    • 16. Juni 2013 at 10:49

      Da muss ich aber mal widersprechen. Zu den Hauptzutaten stehen die Mengenangaben dran. Da, wo der Nachkocher seinen eigenen Erfahrungsschatz und vor allem auch seinen eigenen Geschmack austoben kann, ist die Variabilität geboten. Rezepte, die alles bis aufs letzte Gramm ausführen, sind was für Informatiker oder Handwerker, Kochen ist aber eine Kunst, in die man eigenes einbringen kann (so vorhanden).

      Achso, noch ein Tipp: Gehe nie auf meinen Blog! Da gibt es Rezepte, da haben nicht mal die Hauptzutaten Mengenangaben! 😉

    • 16. Juni 2013 at 10:54

      Achja, noch eine Fachfrage an den anonymen Fachmann: Dass Chili und Pfeffer zwar beide scharf sind, aber zum einen völlig andere Schärfen haben und vor allem der Pfeffer daneben auch andere Aromen und eben nicht nur Schärfe (eigentlich eine übeschätzte Komponente) mitbringt, ist aber schon klar? Merke: Pfeffer ist für den Geschmack drin, Chili für die Schärfe.

      • Thomas Schäfer
        16. Juni 2013 at 13:27

        ….ich glaube allerdings, wenn eine Speise mit der ach so wundervollen Chilischote überwürzt ist, daß man ” minutenlang durchatmen muss ” und die Schleinhäute extrem gereizt werden, man die Feinheiten des Pfeffers nicht mehr herausschmeckt.

        • 16. Juni 2013 at 16:12

          Da wäre ich mir noch gar nicht mal so sicher. Probiert habe ich es natürlich nicht. Da aber die Schleimhäute am Geschmackseindruck eher unbeteiligt sind und “scharf” sowieso kein Geschmack, sondern eigentlich nur Schmerz ist, könnte ich mir vorstellen, dass die Aromen nebenher trotzdem wahrnehmbar bleiben, vor allem für diejenigen, die scharfes Essen gewohnt sind und den Schmerzreiz eher vertragen als ungeübte Scharfesser. Außerdem werden doch sowieso die wesentlichen Geschmackseindrücke nicht im Mund, sondern in der Nase wahrgenommen.

          • Thomas Schäfer
            16. Juni 2013 at 16:37

            …könnte für die o.g. ” laufende Nase ” schwierig werden….denn auch ihre Schleimhäute werden gereizt…..aber jeder wie er mag. Ich persönlich vertrage eine gute Portion Schärfe, hab aber die Erfahrung gemacht, das zuviel des Guten ein Gericht nicht leckerer macht

          • 16. Juni 2013 at 20:27

            Die Reaktionen auf Schärfe sind erfreulich unterschiedlich. Mir treibt es eher den Schweiß aus den Poren. So bleibt die Nase frei für Aromen. 😉
            Aber letztendlich hast Du nicht unrecht: Die Dosis macht das Gift. Doch manchmal will man auch das besondere.

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