Ungarisches Gulasch

Mein türkischer Lebensmittelhändler ist beim Essen eher konservativ. Er plädiert daür, Speisen immer so zuzubereiten wie früher, es gebe Grenzen, die man beim Kochen nicht überschreiten darf, und jegliche weitere Zutat zu einem Gericht verfälsche den Geschmack, weil es schließlich schmecken soll wie – „bei Muttern“ oder „bei Oma“. Nur dann ist ein Gericht eben ursprünglich, wie es „schon immer“ zubereitet wurde, und deswegen plädiert er für den sorgsamen Umgang mit wenigen Zutaten wie Fleisch, Kartoffel, Tomate, Zwiebel und Pepperoni.

Ich selbst kann dem nicht viel abgewinnen und finde dieses Essverhalten eher langweilig. Ich bin eher kreativ. Mir fällt zu den meisten Gerichten noch eine ganze Menge ein, hier noch ein wenig Sahne, da ein Schuss Weisswein, vielleicht noch ein wenig Knoblauch oder auch Chili und dann noch ein paar andere Gewürze. Deswegen kann ich auch solchen Kreationen, die ja schon fast alltäglich sind, wie Schokolade mit Chili, etwas abgewinnen. Und ich habe deshalb auch eine erfolgreiche Kreation eines Nachtischs mit Erdbeeren, Honig und Chili erfunden. Lecker!

Nur, bei einigen Gerichten muss man dennoch die Kreativität unterbinden und sich an strikte Vorgaben halten, wenn genau das herauskommen soll, was der Name eines Gerichts verspricht. Gulasch kann man in den verschiedensten Arten zubereiten. Man kann immer ein wenig das Rezept variieren, zusätzlich ein wenig Gemüse hinzufügen, mit Senf oder anderen Gewürzen abschmecken, oder auch Sahne oder Sojasauce kann man zum Verfeinern der Sauce verwenden. Aber Ungarisches Gulasch hat ein ganz eigenes, unverwechselbares Rezept, so dass auch immer ein „unverändertes“ Ungarisches Gulasch nach dem Zubereiten herauskommt. Wenn man dies zubereiten will, sollte man am Originalrezept möglichst wenig verändern. Nur so erhält man den ursprünglichen Geschmack.

Zutaten für 1 Person:

• 250 g Rindergulasch
• ½ Gemüsezwiebel
• 4 Zehen Knoblauch
• 1 rote Paprika oder auch 2 kleine rote Spitzpaprika
• 1 grüne Paprika oder auch 2 milde grüne Pepperoni
• ½ l Rinderfond
• 1 EL Tomatenmark
•1 rote Chilischote
• 2 Lorbeerblätter
• ½ TL Kümmel
• ½ Zitrone (Schale einer biologisch produzierten Zitrone oder Saft)
• Salz
• Pfeffer
• scharfer Paprika
• Olivenöl oder Butter

Zubereitung:

Schneiden Sie die Zwiebel und den Knoblauch in Scheiben. Erhitzen Sie in einem kleinen Topf das Olivenöl oder die Butter. Dünsten Sie die Zwiebel und die Knoblauchzehen darin. Geben Sie das Fleisch dazu und braten sie alles zusammen an. Dann mischen Sie das Tomatenmark unter.

Nehmen Sie den Topf vom Herd. Geben Sie Lorbeerblätter, Paprikagewürz, die Zitronenschale oder den Saft, Kümmel, Salz und Pfeffer hinzu und füllen Sie alles mit dem Rinderfond auf. Dann lassen Sie alles bei kleiner Hitze 40 Min. köcheln.

Scheiden Sie die Paprika oder Pepperoni in kleine Stücke und die Chilischote in Streifen. Geben Sie alles zu dem Gericht hinzu. Dann lassen Sie alles nochmals 10 Min. köcheln. Danach das Gulasch eventuell nochmals mit Salz, Pfeffer oder Paprika abschmecken.

Zum ungarischen Gulasch passen gut Semmelknödel, Kartoffenknödel, Bandnudeln oder Tagliatelle.

Zubereitungszeit: 10 Min. • Garzeit: 50 Min.

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2 Kommentare für “Ungarisches Gulasch

  1. 1. Juni 2012 at 07:49

    O weh, mit Gulasch ist das so eine Sache! Ungarisches Gulasch? Ich kenne nur Mamas Gulasch. So, wie meine Mutter ihn gekocht hat, nur so ist er richtig. Dabei weiß ich nicht mal, wie sie es genau gemacht hat. Jedenfalls habe ich immer versucht, den typischen Geschmack und die Konsistenz der Soße genau so hinzubekommen.
    Ich liebe Gulasch. Meine erste Frau wollte mir was Gutes tun, nahm irgend ein Gulasch-Rezept und schöpfte mir stolz und verliebt das Ergebnis auf den Teller. „Schmeckt gut, Schatz!“ lobte ich sie, „Aber bei meiner Mutter schmeckt er anders!“. Das war der erste Prüfstein unserer jungen Ehe. Und beinahe wäre es auch das Ende gewesen. Nie wieder hat sie Gulasch für mich gekocht.
    Dein Ungarisches Gulasch klingt sehr lecker. Aber ich bezweifele, dass es mir wirklich schmecken würde 🙂

  2. admin
    1. Juni 2012 at 18:02

    Moin, Henning,

    dann probiere das Ungarische Gulasch doch einfach aus! Du wirst überrascht sein über den Geschmack. ;–)

    Ich kann mit dem „Essen wie bei Muttern“ überhaupt nichts anfagen. Das einzige Gericht, an das ich mich mit einer wohlwollend-neutralen Wertung erinnern kann, war ihr berühmtes Griessüppchen – weil mein Vater „Suppenkasper“ war und jeden Tag sein Süppchen haben wollte – traditionelles Rollenverständnis vor 45 Jahren. Berühmt war die Suppe aber nicht, weil sie jeder kochen kann: Butter im Topf erhitzen, Gries dazugeben, eine „Griesschwitze“ machen, mit gekörnter Brühe auffüllen und köcheln lassen. Abschmecken. Fertig. So war die Küche meiner Mutter.

    Außerdem war sie die Köchin der Saucenpackungen – eben traditionelles Kochen ebenfalls vor 45 Jahren. Braten gegart? Braunes Bratensaucenpulver dazu! Fischragout gekocht? Weißes Saucenpulver dazu! Ich habe sie für mein Kochbuch, das im November 2011 erschienen ist, um vier Rezepte gebeten, an die ich mich aus der Kindheit/Jugend noch erinnern kann. Alle habe ich abgewandelt. Ich bin eben kreativ, ich entwickle Rezepte auch weiter, verbessere und verfeinere sie. Beim Fischragout fiel mir beim ersten Kochen sofort ein: Weißes Saucenpulver bääähhh! Aber es passt Sahne und Weißwein dazu, außerdem noch Lauchzwiebeln und Knoblauch. Und so kam das Rezept auch ins Kochbuch. Erwähne ich heute meiner Mutter gegenüber bei diesem Gericht Sahne und Weißwein, kontert sie sofort, „Oh je, ich muss doch auf meinen Cholesterinspiegel achten, ne, das geht gar nicht!“

    Für mein zweites Kochbuch, an dem ich gerade schreibe, bat ich sie um drei Rezepte für gefüllten Pfannkuchen mit drei alternativen Füllungen, an die ich mich auch noch erinnere. Sie sagte nur, „Du veränderst ja doch immer meine Rezepte, wie Du willst, und fügst noch alles Mögliche hinzu!“, war beleidigt – und schickte mir die Rezepte nicht per Post! Ich habe die Gerichte jetzt selbst kreiert und gekocht, sie waren gut und kommen ins neue Kochbuch. Ja, und eigentlich könnte ich sie auch ins Blog stellen.

    Also, „Essen wie bei Muttern“ ist nicht mein Ding. Ich entwickle lieber weiter und bleibe kreativ … Kochen hat schließlich auch was mit (Koch-)Kunst zu tun. :–)

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